Gefährliche Produkte und fehlende Kontrollen
Die EU-Kommission hat den chinesischen Online-Marktplatz Temu mit einer Busse von 200 Millionen Euro belegt. Grund sind schwere Verstösse gegen den Digital Services Act (DSA): Temu habe Risiken für Konsument:innen ungenügend bewertet und den Verkauf illegaler beziehungsweise gefährlicher Produkte nicht wirksam verhindert.
Bei Testkäufen fielen unter anderem unsichere Ladegeräte sowie Babyspielzeuge mit toxischen Stoffen oder Erstickungsgefahr durch. Angesichts von rund 130 Millionen Kund:innen in Europa spricht die EU von einem besonders schwerwiegenden Fall.
HANDELSVERBAND.swiss begrüsst das Vorgehen der EU
Der HANDELSVERBAND.swiss und der Spielwaren Verband Schweiz (SVS) begrüssen das konsequente Vorgehen ausdrücklich. Eigene Testreihen der Verbände zeigen seit längerem massive Sicherheitsprobleme bei Produkten von Temu und Shein: Rund 80 Prozent der getesteten Spielwaren wiesen gravierende Mängel auf – darunter Kadmiumbelastungen oder gefährliche Kleinteile.
Die Busse zeigt klar: Freiwillige Zusagen reichen nicht aus. Plattformen müssen Verantwortung für Produktsicherheit übernehmen und dürfen sich nicht durch fehlende Kontrollen Wettbewerbsvorteile verschaffen.
Die Schweiz hat eine Regulierungslücke
In der Schweiz wäre ein vergleichbares Urteil derzeit kaum möglich. Es fehlt an gesetzlichen Grundlagen wie dem europäischen DSA. Plattformen können sich hierzulande weiterhin als reine Vermittler positionieren, während problematische Produkte als Privatimporte in die Schweiz gelangen.
Deshalb unterstützt der HANDELSVERBAND.swiss die laufenden politischen Vorstösse zur Anpassung des Produktsicherheitsrechts, der Produkthaftung und der Entsorgungspflichten. Ziel ist, Plattformen künftig rechtlich als Inverkehrbringer zu behandeln und stärker in die Verantwortung zu nehmen.
Mehr Zollkontrollen nötig
Ebenso wichtig sind deutlich strengere Zollkontrollen. Heute werden bei rund 26 Millionen Paketen pro Jahr lediglich 1 bis 2 Prozent kontrolliert. Ohne wirksame Kontrollen bleibt die Schweiz anfällig für unsichere Billigimporte.
Für den HANDELSVERBAND.swiss ist klar: Wer Produkte in die Schweiz einführt, muss auch Verantwortung übernehmen — für Sicherheit, Konsumentenschutz und fairen Wettbewerb.

