Beitrag von Arvato Systems Schweiz AG, welchen wir mit freundlicher Genehmigung publizieren.
Die digitale Architektur im Wandel
Noch vor rund zehn Jahren war die CMS-Welt vergleichsweise eindeutig strukturiert. Klassische Content-Management-Systeme waren dafür ausgelegt, Inhalte zu verwalten, Seiten aufzubauen, Templates zu steuern und die Ausgabe direkt mit dem Frontend zu verbinden. Für viele Unternehmen war dieses Modell über lange Zeit absolut passend – und auch heute kann es je nach Ausgangslage weiterhin sinnvoll sein. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an digitale Plattformen deutlich. Inhalte werden nicht mehr ausschließlich auf der Unternehmenswebsite benötigt, sondern sollen auch in Apps, Kundenportalen, Shops oder POS-Systemen verfügbar sein. In solchen Szenarien kann eine Composable Architektur ihre Stärken ausspielen.
Was versteht man unter einem Composable CMS?
Ein Composable CMS ist kein geschlossenes All-in-one-System, sondern ein modular einsetzbarer Bestandteil einer modernen digitalen Systemlandschaft.
Das Prinzip dahinter: Content wird an einer zentralen Stelle gepflegt und anschließend über Schnittstellen flexibel an unterschiedliche Touchpoints ausgespielt – etwa an Website, Kundenportal, App, Shop, Newsletter oder POS-System.
Der Blick auf die verschiedenen CMS-Ansätze macht den Unterschied deutlich:
- Klassisches CMS: Content, Layout und Ausspielung sind häufig eng miteinander verzahnt.
- Headless CMS: Das System verwaltet Inhalte, während ein separates Frontend für die Darstellung verantwortlich ist.
- Composable CMS: Der Ansatz erweitert dieses Prinzip und integriert das CMS als flexiblen Baustein in eine Architektur, in der mehrere spezialisierte Systeme über Schnittstellen zusammenspielen.
Wie ein solches Zusammenspiel in der Praxis aussehen kann, zeigt das folgende Projekt.
Die Anforderungen
Bei einem unserer Kunden stand nicht nur die Bereitstellung einer Website im Vordergrund. Entscheidend war auch, Inhalte so zu strukturieren, dass sie im eigenen Kundenportal genutzt werden können. Da für das vollständig integrierte Kundenportal und die Website unterschiedliche Teams verantwortlich sind, eignet sich eine Composable Architektur besonders gut. Die einzelnen Teams können ihre Anwendungen unabhängig voneinander entwickeln und bereitstellen, während sie über standardisierte Schnittstellen gezielt auf die benötigten Inhalte zugreifen. Möglich wird dies durch das Zusammenspiel verschiedener Technologien.
Magnolia CMS als Verbindung von Content Management und moderner Architektur
Magnolia ist seit vielen Jahren als leistungsstarke Lösung für Unternehmen mit wachsenden digitalen Anforderungen etabliert. Dass Headless- und Composable-Ansätze heute deutlich reifer bewertet werden, kommt dieser Positionierung zusätzlich zugute.
Die besondere Stärke von Magnolia liegt darin, dass das System Unternehmen nicht auf ein starres Modell festlegt. Es verbindet bewährte CMS-Funktionen mit modernen Headless-Möglichkeiten und schafft damit eine Plattform, die sich an den jeweiligen digitalen Reifegrad und die strategischen Ziele eines Unternehmens anpassen lässt.
Gerade diese Flexibilität ermöglichte es unserem Kunden, klassische CMS-Ansätze und Composable-Prinzipien miteinander zu kombinieren und dennoch in einer gemeinsamen Content-Plattform zu arbeiten.
Angular als stabiles Fundament für das Frontend
Für stabile Frontend-Architekturen bleibt Angular in vielen Enterprise-Umgebungen eine relevante Technologie. Während das JavaScript-Ökosystem häufig von hoher Dynamik, neuen Trends und schnellen Wechseln geprägt ist, steht Angular besonders für Struktur, Verlässlichkeit und langfristige Wartbarkeit. Es ist nicht zwingend das Framework für kurzfristige Hypes, überzeugt aber durch Stabilität und klare Leitplanken.
Damit passt Angular sehr gut zu professionellen Headless- und Composable-CMS-Szenarien.
Eine klare Architektur, starke Typisierung, etablierte Konventionen und gute Testbarkeit helfen dabei, komplexe Anwendungen nicht nur zu entwickeln, sondern auch dauerhaft kontrollierbar zu halten.
Zusammen mit einem Headless CMS wie Magnolia entsteht eine klare Trennung der Verantwortlichkeiten: Das CMS organisiert Inhalte und Strukturen, während Angular die moderne, flexible und performante Darstellung im Frontend übernimmt.
Module Federation ergänzt diesen Ansatz um eine wichtige architektonische Dimension. Einzelne Bereiche einer Anwendung lassen sich unabhängig voneinander entwickeln, testen und bereitstellen. Für die Teams im Kundenportal bedeutet das: Sie sind nicht zwingend an einen gemeinsamen Release-Zyklus gebunden, sondern können Funktionen eigenständig weiterentwickeln, ohne die Stabilität der Gesamtplattform zu gefährden.
Damit wird deutlich: Composable Architektur betrifft nicht nur Backend-Systeme oder Content-Strukturen. Der Gedanke der Modularität kann auch im Frontend konsequent umgesetzt werden. Angular bildet hierfür eine stabile Basis, während Module Federation die technische Erweiterung für unabhängig nutzbare Anwendungsteile liefert.
Composable heisst nicht beliebig

Ein häufiger Einwand gegenüber Composable Architekturen lautet: Wenn sich alles flexibel kombinieren lässt, besteht dann nicht die Gefahr, dass die Systemlandschaft beliebig und schwer steuerbar wird?
Diese Frage ist berechtigt. Ohne strategischen Rahmen können modulare Architekturen schnell an Übersicht verlieren. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der letzten Jahre, dass genau hier ein deutlicher Reifeprozess stattgefunden hat.
Composable bedeutet heute weniger, möglichst viele Einzelteile miteinander zu verbinden. Im Vordergrund steht vielmehr eine gezielte Orchestrierung der Systeme:
- klare Aufgabenverteilung zwischen den einzelnen Systemen
- sauber definierte Schnittstellen
- wiederverwendbare Services
- tragfähige Betriebsmodelle
- ein Architekturverständnis, das langfristige Stabilität über kurzfristige Effekte stellt
Das Ergebnis: Composable Lösungen werden planbarer und besser beherrschbar. Sie gelten nicht mehr automatisch als fragil oder experimentell, sondern sind für viele Unternehmen gerade deshalb interessant, weil sie Veränderungen flexibler aufnehmen können als monolithische Systeme.
Fazit: Flexibilität braucht Stabilität und intelligente Architektur
Headless- und Composable-CMS-Lösungen sind heute mehr als ein technologischer Trend. Sie haben sich zu einem belastbaren Architekturansatz für Unternehmen entwickelt, die digitale Erlebnisse kanalübergreifend, konsistent und zukunftssicher gestalten möchten.
Die Kombination aus Magnolia CMS als starker Content-Plattform, Angular als robustem Frontend-Framework und Künstlicher Intelligenz als zusätzlichem Beschleuniger adressiert zentrale Anforderungen moderner digitaler Plattformen: Modularität, Integrationsfähigkeit, Skalierbarkeit, Intelligenz und vor allem zunehmende Stabilität.
Über Arvato Systems Schweiz
Arvato Systems ist ein internationaler IT-Spezialist für die digitale Transformation von Unternehmen. Rund 3.400 Mitarbeitende an weltweit über 25 Standorten stehen für hohes technisches Verständnis, Branchen-Know-how und einen klaren Fokus auf Kundenbedürfnisse. In der Schweiz fokussiert sich Arvato Systems insbesondere auf die Deutschschweiz. Als Team entwickeln wir innovative IT-Lösungen, bringen unsere Kunden in die Cloud, integrieren digitale Prozesse und übernehmen den Betrieb sowie die Betreuung von IT-Systemen. Als Teil der zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Arvato Group bietet Arvato Systems umfassende Leistungen entlang der Wertschöpfungskette. Gemeinsam mit Partnern wie AWS, Google, Microsoft und SAP setzen wir auf modernste Technologien und kontinuierlichen Wissensaufbau. Der Standort der Arvato Systems Schweiz befindet sich zentral im Technopark Zürich. Zu den Schweizer Kunden der Arvato Systems zählt unter anderem der Velo-Hersteller „Tour de Suisse Rad AG“. Arvato Systems hat Tour de Suisse unterstützt ihre Customer Journey anhand des Velokonfigurators zu digitalisieren.
Sehen Sie hier mehr über die ganze Erfolgsstory Erfolgsstory von Tour de Suisse – Digitalisierung der Customer Journey anhand des Velokonfigurators

