Beitrag von Sebastian Dahm, Co-CEO Rinascai, welchen wir mit freundlicher Genehmigung publizieren.
Fünf Schritte, mit denen Geschäftsleitungen im Handel KI planbar machen, und ein einfacher Test, der zeigt, wo Ihr Unternehmen heute steht.
Den Auftakt unserer Serie machen wir heute mit diesem ersten Beitrag. Die vier Praxisfälle der Serie erscheinen in den kommenden Wochen hier im Blog: Klarheit, Fokus, Umsetzung und Governance.
Drei Sätze höre ich in fast jedem ersten Gespräch mit Geschäftsleitungen aus dem Handel, ob in Zürich, Zug oder Luzern: «Ich weiss nicht, was ich brauche.» «Ich weiss nicht, was es kostet und was es bringt.» «Meine Piloten laufen, aber ich weiss nicht, wo sie landen.» In den nächsten acht Wochen beantworten wir diese Fragen hier im Blog mit vier Fällen aus der Praxis, vom Onlineshop mit drei Mitarbeitenden bis zum Hersteller mit über 900. Zum Auftakt geht es um den Fahrplan. Für Mitglieder des Verbands haben wir dazu ein Angebot: Fünf von ihnen begleiten wir während der Serie je fünf Tage lang, kostenlos.
Die Nutzung ist da, die Führung fehlt
Wer im eigenen Unternehmen nachfragt, hört selten, dass niemand mit KI arbeitet. In einer Befragung von 1’500 Beschäftigten in sieben Ländern gaben über 80 Prozent an, KI-Werkzeuge zu nutzen, die ihr Unternehmen nicht freigegeben hat (UpGuard, Shadow AI Report, November 2025). Gleichzeitig brechen Unternehmen KI-Vorhaben deutlich häufiger ab als noch vor einem Jahr: 42 Prozent der befragten Unternehmen haben 2025 die Mehrheit ihrer Initiativen eingestellt, im Vorjahr waren es 17 Prozent (S&P Global Market Intelligence, Enterprise AI Survey 2025).
Woran es hakt, ist gut belegt. Bitkom Research fragte 604 Unternehmen nach den grössten Hürden: Rechtsunsicherheit und fehlendes Fachwissen nannten je 53 Prozent, Personalmangel 51 Prozent, Datenschutzanforderungen 48 Prozent. Das Budget kam mit 36 Prozent erst auf Platz acht. Für den Handel heisst das: Technik und Geld sind selten der Engpass. Meist fehlen eine klare Reihenfolge, verbindliche Regeln und eine Messung des Nutzens.
Die Frage im Titel dieser Serie hat zwei Teile, und beide bleiben oft offen. Was KI kostet, setzt sich aus Lizenzen, Integration und Betrieb zusammen. Die letzten beiden Posten werden regelmässig unterschätzt: 33 Prozent der von Bitkom befragten Unternehmen stellten fest, dass KI teurer wurde als angenommen. Was sie bringt, misst kaum jemand, weil beim Start keine Nutzenschwelle vereinbart wurde. Erst wer beides auf einem Blatt hat, kann fundiert entscheiden.
Wie gross das Interesse im Schweizer Handel ist, hat die Verbandsveranstaltung «KI im Retail» am 28. April 2026 in Zürich gezeigt: ausverkauft, mit Warteliste. Die Fragen im Anschluss waren konkret: Welche Lizenz? Welche Daten? Wer entscheidet? Was bringt es?
Der Fahrplan in fünf Schritten
Wir arbeiten mit allen Kunden nach demselben Fahrplan. Er ist bewusst einfach gehalten, denn besprochen wird er in der Geschäftsleitung.
1 Klarheit. Wo stehen wir? Welche Werkzeuge sind im Einsatz, freigegeben oder nicht? Wo liegen unsere Daten, in welcher Qualität, und wer darf darauf zugreifen? Was verlangen Datenschutzgesetz, Obligationenrecht und, bei Geschäften in der EU, die EU-KI-Verordnung? Ergebnis nach rund vier Wochen: ein Reifegrad je Bereich, ein Inventar und eine Liste bewerteter Anwendungsfälle.
2 Fokus. Welche Vorhaben lohnen sich? Jeder Anwendungsfall erhält einen Business Case und eine Nutzenschwelle: Was muss er bis wann bringen, damit wir weitermachen? Dauer: vier bis sechs Wochen.
3 Fundament. Regeln, Rollen und Architektur: Wer entscheidet über neue Anwendungsfälle? Welche Daten dürfen in welches Modell? Auf welche Plattform setzen wir für die nächsten Jahre? Dauer: sechs bis zehn Wochen.
4 Umsetzung. Die priorisierten Anwendungsfälle gehen produktiv, mit echten Nutzerinnen und Nutzern, echten Daten und schriftlichen Abnahmekriterien. Dauer: drei bis sechs Monate.
5 Betrieb. Die Lösung läuft, wird überwacht und bleibt fachlich richtig. Kosten, Qualität und Nutzen stehen jeden Monat auf einem Blatt.

Woran erkennt eine Geschäftsleitung, wo ihr Unternehmen steht? Am zuverlässigsten am Budget. Wird KI aus keinem Budget bezahlt, weil Mitarbeitende private Konten nutzen, steht das Unternehmen am Anfang. Zahlt ein Fachbereich Lizenzen aus seinem Projektbudget, laufen Piloten ohne Betriebsmodell. Zahlt die IT, gibt es meist ein Inventar und eine Richtlinie. Ein Programmbudget deutet auf Umsetzung, ein Betriebsbudget mit Kostenstelle auf Betrieb. Dieser Budget-Test ist ehrlicher als jede Selbsteinschätzung. Wir machen ihn deshalb in jedem Kickoff.
Wie wir arbeiten
Rinascai ist aus einer Beratung für Betriebsmodelle im Handel und in der Konsumgüterindustrie hervorgegangen. Kampagnenplanung, Abschriften, Restanten, Umlagerungen und Retouren kennen wir aus eigener Arbeit im operativen Geschäft und aus vielen Jahren Projektarbeit im Handel. Dazu kommen KI-Strategen und -Architekten, die auf den grossen KI-Plattformen zertifiziert sind. Wir sind an keinen Anbieter gebunden: Das Modell wählen wir je Anwendungsfall und wechseln es, wenn ein besseres oder günstigeres verfügbar ist. Den Nutzen rechnen wir vor, bevor wir bauen, und ab der Umsetzung steht jede zugesagte Zahl in einem monatlichen Wirkungsreport.
In der Forschung arbeiten wir seit 2019 mit dem Fraunhofer IAIS und der Initiative Science4Retail zusammen. Praxisfall 3 greift die Fraunhofer-Studie zu KI-Agenten vom Juni 2026 auf.
Die vier Praxisfälle der Serie
Praxisfall 1: Klarheit. FRITZ! (vormals AVM) hat eine eigene KI-Plattform mit mehreren Sprachmodellen aufgebaut, bevor die meisten Unternehmen überhaupt eine Richtlinie hatten. Ebenso wichtig war der Rahmen, der parallel dazu entstand: Welche Daten dürfen in welches Modell, wer entscheidet, und wie wird das nachgewiesen? Das Betriebsmodell dafür stand nach zehn Wochen.
Praxisfall 2: Fokus. Ein Fachhändler, dessen Management-Team beim Kickoff kaum eine laufende Initiative nennen konnte, und ein Markenhersteller mit 52 Anmeldungen im KI-Komitee und zehn Anwendungsfällen auf der Liste. Die Ausgangslagen waren gegensätzlich, gebraucht haben beide dasselbe Bewertungsraster.
Praxisfall 3: Umsetzung. Samedo, ein Onlinehändler mit drei Mitarbeitenden und vielen Lieferanten, lässt Lieferantenrechnungen von einem KI-Agenten prüfen. Von der Prozessaufnahme bis zur ersten produktiven Version vergingen fünf Tage.
Praxisfall 4: Governance. Wer entscheidet, was die KI darf? Was gilt in der Schweiz, was in der EU, und welche Struktur funktioniert auch in einem KMU mit 50 Mitarbeitenden?
KI-Quick-Check: Wo steht Ihr Unternehmen?
In neun Minuten zum eigenen KI-Reifegrad: 15 Fragen zu Datenschutz und sicherem KI-Einsatz, EU-KI-Verordnung, Strategie und Führung, Wertschöpfung sowie Kompetenz und Kultur. Das Ergebnis sehen Sie sofort, mit den wichtigsten nächsten Schritten, dazu kommt ein ausführlicher Bericht per E-Mail. Kostenlos und ohne Registrierung.
Zum Quick-Check → www.kireifegrad.com
Für Mitglieder: fünf Tage Begleitung, kostenlos
Während der Serie begleiten wir fünf Mitgliedsunternehmen je fünf Tage lang bei einer Aufgabe aus den Praxisfällen: Bestandsaufnahme und Datenampel, Priorisierung Ihrer Vorhaben, ein erster KI-Agent oder die Grundregeln für Governance. Ohne Honorar und ohne Folgeverpflichtung. Die Ergebnisse gehören Ihnen. Mit Ihrer Zustimmung berichten wir im Blog des Verbands über Ihren Fall.
So bewerben Sie sich: Beschreiben Sie uns in drei Sätzen, wo Ihr Unternehmen steht. Wir vergeben die Plätze in der Reihenfolge der Eingänge.
Jetzt bewerben → sebastian.dahm@rinascai.com, Betreff «Fünf Tage Begleitung»
Über Rinascai
Rinascai ist Ihr KI-Business-Partner für Handel und Konsumgüter. Wir kennen das Geschäft unserer Kunden, rechnen den Nutzen vor und bauen und betreiben die Lösungen. Das Team mit Sitz in Steinhausen ZG, Zürich und Karlsruhe begleitet seit über zehn Jahren Handels- und Konsumgüterunternehmen, vom Familienbetrieb bis zum Konzern, und arbeitet modellunabhängig, unter anderem mit den Plattformen von Anthropic, OpenAI, Google (Gemini) und Microsoft (Copilot). Unser Vorgehen hat fünf Schritte: Klarheit, Fokus, Fundament, Umsetzung und Betrieb, auf Wunsch mit einem externen AI Officer. Rinascai ist Dienstleistungspartner von HANDELSVERBAND.swiss.
Kontakt: Sebastian Dahm, Co-CEO, sebastian.dahm@rinascai.com, rinascai.com

